Der Bundestag hat am 18.6.2020 beschlossen, die »Energieeinsparverordnung (EnEV) und das »Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) in einem neuen Gesetz zusammenzufassen. Das "Gesetz zur Einsparung von Energie und zur Nutzung Erneuerbarer Energien zur Wärme- und Kälteerzeugung in Gebäuden (Gebäudeenergiegesetz - GEG)" wurde am 8.8.2020 veröffentlicht und tritt am 1.November 2020 in Kraft. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es inhaltlich kaum Änderungen zu den bestehenden Regelungen gibt. Im Jahr 2023 sollen die Regelungen nochmals überprüft werden.

Im Gesetz gibt es folgende Neuerungen gegenüber dem Status quo:

  • Wie im Koalitionsvertrag beschlossen, wird es keine weitere Verschärfung der Anforderungen für Neubauten und Bestandsgebäude geben
  • Einführung des »Niedrigstenergiegebäudestandards (nZEB):
    Der zukünftige Niedrigstenergiegebäudestandard entspricht dem EnEV-Standard, der seit dem 1.1.2016 gefordert wird (§ 10)
  • Die Vorbildfunktion der öffentlichen Hand ist nicht erkennbar und beschränkt sich auf die Information, dass öffentliche Einrichtungen die Mindestanforderungen des Gesetzes einhalten (§ 4). Lediglich die Pflichten zur Nutzung erneuerbarer Energien im Gebäudebestand (§ 52) werden aus dem EEWärmeG übernommen und begründen eine gewisse Vorbildfunktion
  • Einheitliches Rechenverfahren auf der Basis der DIN V 18599 frühestens ab 2024:
    Die Anwendung des alten Rechnenverfahrens nach DIN V 4108-6 / DIN V 4701-10 ist bis zum 31.12.2023 weiterhin möglich (§ 20 Abs. 2). Die Neufassung der DIN V 18599 [2018-09] wird jedoch das Standard-Rechenverfahren. Das neu eingeführte Tabellenverfahren nach DIN V 18599-12 konnte wegen einiger inhaltlicher Fehler nicht in das Gesetz übernommen werden.
  • Die Berechnung des max. Transmissionswärmetransferkoeffizienten (§ 16) ist für Wohngebäude nicht mehr geregelt. Bisher wurde die veraltete DIN 4108-6 (Anlage 1, Nr. 2.3 EnEV 2013) dafür verwendet. Auf Anhang F, DIN V 18599-2 [2018-09] wird jedoch nicht Bezug genommen.
  • Das bisherige Modellgebäudeverfahren wird als "vereinfachtes Nachweisverfahren" für Wohngebäude weitergeführt (§ 31); dafür wurden die Randbedingungen vereinfacht; für Kennwerte gibt es eine Verordnungsermächtigung
  • Neue Primärenergiefaktoren (§ 22 und Anlage 4)
    Verbesserte Faktoren für netzgebundesnes Biogas und biogenes Flüssiggas in KWK-Anlagen und Gas-Brennwertkesseln; Begrenzung des fp-Faktors für Fernwärme auf fp≥0,3.
  • Neue Anrechnungsregeln für erneuerbare Energien wie PV, Windenergie etc. (§ 23) sowie Biomethan und biogenes Flüssiggas (§ 22)
  • die Neufassung der DIN 4108 Beiblatt 2 [2019-06] wird für die Berechnung von Wärmebrücken (§ 12 und § 24) eingeführt. Damit sind Gleichwertigkeitsnachweise für Wärmebrücken mit Zuschlägen von ΔUWB = 0,05 und 0,03 W/(m²K) möglich.
  • Die Anforderungen zur Nutzung erneuerbarer Energien (früher EEWärmeG) werden aus den bisherigen Anforderungen des EEWärmeG übernommen (§ 34 ff. und § 52 ff.); Ergänzung von Strom aus erneuerbaren Energien, Nutzung von gasförmiger Biomasse (Biomethan) im Brennwertkessel ist möglich; Beschränkung der Anforderungen an die Energieeinsparung auf den bauliche Wärmeschutz (§45 GEG) → siehe »Nutzung von erneuerbaren Energien in Gebäuden
  • Die Anforderungen an bestehende Gebäude bleiben unverändert (§ 46 ff.)
  • Verpflichtende Energieberatung für Ein- und Zweifamilienhäuser bei Erneuerung von Bauteilen (§ 48) und beim Verkauf (§ 80 Abs. 4)
  • Bei Erweiterungen von Gebäuden wird nur noch der Transmissionswärmeverlust der Bauteile nachgewiesen (§ 51):
    Anforderung 1,2 fache Wert des Referenzgebäudes bei Wohngebäuden
    Anforderung 1,25 fache Wert der mittleren U-Werte bei Nichtwohngebäuden
    Dadurch ergeben sich für neue Nachweise deutlich niedrigere Anforderungen als bisher!
  • Für die Dämmung von Rohrleitungen wird das alte System beibehalten (§ 69f. und Anlage 8)
  • Neu eingeführt wird eine Erfüllungserklärung (zwischenzeitlich Erfüllungsnachweis), in der die Erfüllung der Vorschriften des GEG nach Fertigstellung erklärt werden muss (§ 92 ff.)
  • Eine Innovationsklausel (§ 103) ermöglicht den Nachweis alternativ über die CO2-Emissionen und nicht über Primärenergie sowie eine gemeinsame Bilanzierung von Bestandsgebäuden
  • Die Wärmeversorgung im Quartier (§ 107) soll durch eine Vereinbarung zwischen Eigentümern vereinfacht werden. Für öffentliche Gebäude ist eine gemeinsame Versorgung ohne Vereinbarung möglich (§ 34 Abs. 3 GEG)
  • Möglichkeit des Anschlusszwanges an ein Wärmenetz durch Gemeinden wie im EEWärmeG (§ 109)
  • Beibehaltung des Referenzgebäudes aus der EnEV 2013 (Anlage 1 und Anlage 2):
    Das Referenzgebäude aus der EnEV 2013 wird (bis auf redaktionelle Änderungen) beibehalten
  • Im Energieausweis werden die Effizienzklassen nach dem Endenergiebedarf vergeben (§ 86 und Anlage 10). Zusätzlich sind Angaben zur CO2-Emission zu machen (§ 85 und Anlage 9)
  • Umsetzung der Vorgaben der EU-Bauproduktenverordnung - EU-BauPVO:
    Bezug auf die Neufassung der DIN 4108-4 (§ 7 und § 20 Abs. 6)
  • Zur Vermeidung von Konflikten mit anderen Rechtsvorschriften (Standsicherheit, Brandschutz, Schallschutz, Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz) wurden Ausnahmen aufgenommen (§ 10, § 46 und § 57)
  • Verbot von neuen reinen Ölheizungen und Heizungen mit festen fossilen Brennstoffen (Kohle) ohne einen Anteil erneuerbarer Energien ab 2026 (§72).
  • Überprüfung der aktuellen Anforderungen im Jahr 2023 (§ 9). Forschungsauftrag an das BMI zur ökobilanziellen Bewertung von Gebäuden (§ 7 Abs. 5).
  • Auf Verlangen kann bei Bauvorhaben vor dem 1.11.2020 bereits das GEG angewendet werden (§ 111). Für die Ausstellung von Energieausweisen für Bestandsgebäude sind bis zum 1.5.2021 die Regeln der EnEV anzuwenden (§ 112)

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